| Blaukreuz-Haus - Geschichte |
Wenn das Vereinshaus reden könnte, würde es sicher etwa folgendes erzählen:
Als Vereinshaus des Blauen Kreuzes in Ansbach geht es mir eigentlich noch recht gut, obwohl
ich doch schon einige Jahre auf dem Buckel habe. Wann ich genau gebaut wurde, weiß ich
nicht mehr, aber Fachleute, die das Fachwerk unter meiner Fassade gesehen haben, meinen,
dass ich schon mehr als 300 Jahre inmitten der Altstadt von Ansbach stehe.
Bevor ich 1922 vom Blauen Kreuz erworben wurde, befand ich mit im Besitz der Hürner-Brauerei.
Ja, Sie haben richtig gehört: Ausgerechnet einer Brauerei. Ich diente sogar als
Gastwirtschaft, die sich "Drei Kaiser" nannte. Ich stehe auf einem gemauerten Gewölbekeller,
in dem schon so manches Fässchen lagerte. Heute halte ich dort allerdings nur noch die
Fruchtsäfte und das Mineralwasser kühl, das in den Gruppen und Kreisen angeboten wird.
Viele Menschen habe ich in den Jahrhunderten kommen und gehen sehen: Reisende, Einheimische,
und natürlich auch die Soldaten des Reiterregiments "Ulanen" aus der nahen Bismarck-Kaserne.
Da ist mir so manches Gelage im Gedächtnis geblieben, weil die Lieder zu laut, und die
Menschen zu betrunken waren.
Am 17. Februar 1922 hat sich dann alles geändert. Als ich vom Blauen Kreuz in Besitz genommen
wurde, gingen auf einmal ganz andere Menschen ein und aus, und ich hörte so manches von den
bösen Folgen der vorhin erwähnten Gelage.
Da ich vom Verein in der nicht genutzten Zeit weiter vermietet wurde, kam wirklich Abwechslung
in meine Räume.
So erinnere ich mich, dass ab 1935 die Kraftfahrzeugprüfung im großen Saal abgehalten wurde,
und ab 1943 stellte ich die Unterrichtsräume für eine Knaben-Volksschule zur Verfügung. Die
Diakonissenstation im zweiten Stock war zu dieser Zeit mit bis zu fünf Diakonissen des
Mutterhauses Hensoltshöhe
in Gunzenhausen besetzt. Sie begannen 1947 im ersten Stock mit einer
Nähschule, und manche erinnern sich noch daran, dass sie mit dem Schnitt ihrer Hosen, die
dort entstanden, nicht so ganz glücklich waren.
Ab 1949 mietete die Stadt Ansbach meine Räumlichkeiten für eine Mädchen-Realschule, und ab
1962 fand der Unterricht der Städtischen Handelsschule darin statt. Sie können also sicher
sein, dass auch ich eine Menge gelernt habe.
So um 1950 erhielt ich eine Generalüberholung, und im Saal standen plötzlich Stühle statt
Bänke. 1992 gab es dann die letzte Generalüberholung, bei der die Stadt Ansbach kräftig
mitgeholfen hat.
Heute kann ich sagen, dass es nicht ruhiger wird. Ich beherberge eine Beratungsstelle für
Suchtkranke. Und auch sonst ist jeden Tag etwas los: Wenn Sie sich den Veranstaltungsplan
ansehen, wird klar, dass bei mir mehr denn je viele Menschen ein- und ausgehen, von den jüngsten
bis zu den Senioren. Und bei allem, was ich höre, lerne ich immer noch dazu.
So kann es bleiben. Ich wünsche mir, dass in meinen Räumen viele Menschen Heilung und Hilfe
erfahren, und eine neue Heimat finden. Na denn: Auf die nächsten 100 Jahre.
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